Typisch deutsch

von Gerhard Bauer

Wer hat es nicht schon gehört, gesagt oder/und gedacht?

Typisch deutsch, ich benutze es, wie viele andere auch, um auszudrücken, dass diese oder jene Dummheit nur in Deutschland oder durch Deutsche möglich ist oder zumindest stark gehäuft in Deutschland begangen wird.

Gemeint sind damit u. a. Übertreibungen in allen möglichen und für unmöglich gehaltene Richtungen. Denkt dabei nur mal an das Toleranzbestreben bis hin zur Selbstaufgabe, die Schuldgefühle Nachkomme zu sein und vieles mehr.

Derzeit sind wir wieder einmal Weltmeister im Übertreiben, im Nichtkriegen von Kindern. In früheren Zeiten war es modern viele Kinder zu bekommen, was heutzutage als Großfamilie bezeichnet wird, war in früheren Zeiten Standard und Familien mit 6, 7, 8 und mehr Kindern keine Seltenheit und das nicht nur auf dem Land oder in unterpriveligierten Schichten.

Wenn man sagt typisch deutsch, meint man in aller Regel negatives Verhalten. Wohingegen wer typisch bairisch, fränkisch, hessisch etc. sagt, damit meist auf, für andere schrullige, seltsame Verhaltensweisen hinweisen will und dies sehr häufig einen humorvollen Hintergrund hat.

Typisch deutsch sind jedoch Verhaltensweisen die nicht in den einzelnen deutschen Völkern und Stämmen wurzeln sondern unter Ausnutzung von gemeinsamen Charakterzügen der deutschen Völker und Stämme verstärkt und durch die entsprechende begleitende Zentralisierung zur Norm erhoben werden (sollen).

Dies ist eine Gemeinsamkeit aller deutschen Staaten, egal ob sie sich Reich oder Republik nannten oder nennen. Wir erledigen alles mit deutscher Gründlichkeit, Zuverlässigkeit egal ob im Richtigen oder im Falschen. Die Deutschen sind, wie es den Anschein hat, gerne extrem, in die eine, wie in die andere Richtung. Deutsche Gründlichkeit eben, wenn schon, denn schon, keine halben Sachen.

Als typisch deutsch werden auch viele behördlichen Anordnungen, der galoppierende Bürokratismus, der Wunsch nach der vollkommenen Regelung und Absicherung des täglichen Lebens, die Gleichmacherei (was für den einen gilt, hat auch für den anderen zu gelten; aus der Reihe tanzen gibt es nicht).

Ich könnte noch eine ganze Reihe von Aussagen aufführen, ihr wisst aber sicherlich selbst genügend Beispiele für typisch deutsches Verhalten, so dass ich mir dies ersparen kann.

Eines ist jedoch all diesen typisch deutschen Verhaltensweisen gemeinsam, sie treten in Massen auf und werden als höchste kulturelle Errungenschaften angesehen, verteidigt und durchgesetzt.

Wehe dem, der nicht typisch deutsch sein möchte, der aus der Reihe tanzt, sich nicht ein- und unterordnen will; der nicht einsehen will, dass er mit dem A….loch von der anderen Straßenseite in einen Topf geworfen wird und dieser Typ bei Wahlen oder anderen Massenveranstaltungen über das Leben anderer mitbestimmen soll (nichts anderes ist das hochgelobte Prinzip der Demokratie (die Minderheit hat sich der Mehrheit zu beugen, Mehrheit (Quantität) wird zur Qualität).

Dass die Mehrheit nicht zwangsläufig die intelligentesten Entscheidungen für das Leben aller oder eines einzelnen Fällen kann, dürfte jedem einleuchten. Ob die sog. Mehrheit nur als Feigenblatt benutzt wird, wie in allen Demokratien oder tatsächlich etwas zu entscheiden hat, ist dabei so unwichtig wie wenn in Peking ein Sack Reis umfällt.

So wie wir Deutsche das Kaiserreich bejubelten, die Weimarer Republik ablehnten, das Dritte Reich, zumindest anfangs, bejubelten, in dem Maße, mit derselben Inbrunst nehmen wir die BRD als von Gott gegeben an und sind nahezu einhellig der Meinung was anderes gäbe es nicht, könne es nicht geben, dürfe es nicht geben.

Das einige Deutschland ein Trugbild, ein Steckenpferd auf dem herumgeritten wird, bis auch dieser lahme Gaul zusammenbricht, bis er eben, wieder typisch deutsch, total, mit deutscher Gründlichkeit am Boden zerstört ist.

Dann wird wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben und mit deutsche Gründlichkeit um- und durchgesetzt werden. Bis endlich auch der letzte Dorftrottel erkannt hat, dass es mit der deutschen Einigkeit nicht weit her ist, diese Einigkeit ein Ding der Unmöglichkeit ist und Gott sei Dank auch bleiben wird. Zumindest solange es noch typisch deutsche Stämme gibt und diese sich ihres Volkscharakters bewusst sind und Wert auf ihren Eigenheiten und Eigentümlichkeiten legen.

Was heute von sog. nationalen Deutschen beklagt wird, die Vermischung der Deutschen und die Überfremdung der deutschen Heimat, hat längst begonnen und zwar mit der Zentralisierung auf deutschem Grund und Boden, der Vermischung der deutschen Völker und dem fortschreitenden Verlust der völkischen Eigenheiten. Die weitergehende Vermischung mit Angehörigen nichtdeutscher Völker ist nur die fortschreitende Verwirklichung der Idee der Einheit, der Einigkeit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit und was sie uns noch für Schlagwörter unter die Haarspitzen jubeln wollen.

Lassen wir das typisch Deutsche links liegen oder von mir aus auch rechts. Besinnen wir uns auf unsere Volkszugehörigkeit, auf unsere Landsmannschaft, auf unser Herkommen. Besinnen wir uns darauf, wer wir wirklich sind, Hessen, Baiern, Franken, Friesen, Sachsen, Preußen, Thüringer, Schwaben, Badenser, Westfalen usw.. Dann hört sich die typisch deutsche Neigung zur Übertreibung ganz von alleine auf und wenn doch da und dort übertrieben werden sollte, so hat dies keine großen Auswirkungen auf uns alle. Wen interessiert es schon groß, wenn beispielsweise Sachsen oder Bayern eine lokale Entscheidung treffen?

Deutsch sein ist eine Erziehungsfrage und wurde in den Schulen der diversen deutschen Staatsformen versucht zu lehren, mit fragwürdigem Erfolg. Wir sind eben nicht EIN Volk, sondern mehrere Völker, mit verschiedener Geschichte und ebenso verschiedenen Volkscharakteren.

Ich für meinen Teil habe die Schnauze gründlich voll und will kein Deutschland einig Vaterland, ich bin bescheiden, mir reicht als Vaterland mein Baiern, mein Niederbayern, mein Heimatort. Andere Landsmänner mögen dies ähnlich halten, dem Hamburger sein Hamburg, dem Sachsen sein Sachsen, uns Baiern aber unser Baiern, gerne auch mit “y” und dadurch gemeinsam mit Franken und Schwaben. Diese Trennung schließt gemeinsames Handeln nicht aus, ist allerdings freie Verhandlungssache und kann nicht von “oben” diktiert werden, Zentralgesetze brechen nicht Ländergesetze.

Deutschland wird niemals als zentralistisches, einheitliches Gebilde existieren. Alle Versuche in diese Richtung werden auf die eine oder andere Art kläglich scheitern und scheiterten bereits.

Dieses einige Deutschland ist bestenfalls eine romantische Vorstellung und schlechtestenfalls der Wunsch nach der Schaffung eines starken, zentralistischen Einheitsstaates mit einer unterordnungsbereiten, arbeitsamen Bevölkerung, mit deren Hilfe die feuchten Machtträume einzelner (Gruppen) erfüllt werden sollen. Nicht umsonst wurde die Eigenständigkeit der deutschen Länder durch Hitler und seine Gefolgsleute sofort beendet, gleichgeschaltet und in von der Partei zentral geleitete Gaue umgewandelt.

Vor dieser Gleichschaltung gab es noch die diversen Staatsangehörigkeiten der einzelnen Länder, so hatte z. B. Rudolf Hess einen bayrischen Pass.

In der bayrischen Verfassung ist die bayerische Staatsangehörigkeit noch vorgesehen. Aber leider, leider ließen uns die Sieger nicht von der Leine, Bayern musste in die BRD und heute ist das alte, eigenständige Bayern schon nahezu in Vergessenheit geraten.

Adolf Hitler war seit 1925 ein Staatenloser, 1932 wurde er nicht etwa deutscher Staatsbürger, sondern durch Anstellung (ein Trick, sonst hätte ihn keiner genommen. Soviel Freiheit gab es damals noch.) Bürger des Freistaates Braunschweig und dadurch wurde er im Zuge der Gleichschaltung deutscher Staatsbürger. Auch damals war es schon möglich, dass ein Nichtstaatsbürger ein Staatsamt übernehmen konnte. Ein großer Fehler, damals wie heute.

Wenn das Deutsche Reich noch existiert, wie vom Verfassungsgericht festgestellt wurde und von vielen anderen behauptet wird, hat Weimarer Verfassung auch noch Gültigkeit, dann existiert Bayern noch als eigenständiger Staat; wie all die anderen selbstständigen Nachfolgestaaten des Kaiserreiches auch. Es ändert sich dadurch nichts, dass Bayern derzeit leider in Händen der CSU und anderen deutschen Zentralparteien ist und damit in Händen der bundesrepublikanischen, zentralistischen Nomenklatura. Wenn man so will, ist Bayern ein besetztes, fremdbestimmtes Land.

Ich bin Bayer und damit bayrischer Staatsbürger, wenn mir dies auch derzeit verweigert wird. Des is ma aba vollkommen wurscht, soin de Deppn da obn macha wos woin, de kennan se auf Kopf stelln und mim Arsch wackeln, i bin und bleib a Baier und bi koa Deitscher und scho go koa Europäer; der feichte Nachfolgetraum vo de Zentralistn. Wo kammat me denn do hi?

So und iatz kennts song, so a stura Hund, dann soge eich, des ist typisch bairisch. So bine und so bleibe und vui andere a.

Das unsa Traumtänzer, der Ludwig II. unsa Baiern am Bismarck und de Preissn ausgliefat hod, wer i eam ned vagessn.

Und damois is scho guad oganga, glei mit am Kriag und wias ogfanga hod aso is a weidaganga, zwoa weidane Kriag fias deitsche Vataland.

Ob ma do Schuid wan oda grod zu 50 Prozent oda mehra oda wenga, des is wurscht. De Kriag hets mit am siabstständigen Baiern und ohne dem übagordneten Preissnreich und dem nachfoigerten Zentralismus ned gem und damit hod se de Sach und da Kas is gessn.

Vielleicht hed ma uns mit de Preissn wieda hi und do amoi gschlogn oda mit de Österreicha, des ko und mog scho sei, des war aba harmlos gwen im Vagleich zu dem andern und zu dem ganz dem andern, der des vorleifige Hailait war.

Vielleicht derft ma nomoi unsane Kepf für Deitschland hihoidn, des freieste wohlgmerkt, vielleicht hom ma dann endlich Schnauzn voi und jong ma des zentralistische Gsindl vom Dorf ausse. Das de Leanprozesse solang dauan des is a typisch deitsch, weima hoid oisse mitanand lerna miasn, und wias owei so is, de oan learnan schneller und de andan langsama. Wennst aba mit langsame zambundn bis, dann hiaft nix Gweichts a ned, dann hoasts mitganga, mitgfange, mitghanga.

Eiso herts auf typisch deutsch tsei, seits typisch es siaba, kümmats eich um eire eignen Anglengheiten und lost´s de de 100 km und no weita vo eich wegwohnen in Ruah und üba eanane eigna Sachan entscheidn.

Es heats so vielleicht bled o, aba in dem Foi bin i fia Vielfalt, wenn a ganz andascht gmoant, wias de buntn Hausdeppn moanan. De buntn Hausdeppn san so ebs fo typisch deitsch, dass deitscher go nimma geht. Des spannans grod ned, em weis Hausdeppn san.


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