Vatikan übernimmt das Kommando im Malteserorden

von NEXUS Magazin

Nachdem der Großmeister des unabhängigen und laikalen katholischen Malteserordens in einer Debatte über Kondome Papst Franziskus öffentlich die Stirn geboten hatte, hat der Vatikan nun mit einer außergewöhnlichen Demonstration der päpstlichen Macht das Kommando über den Orden übernommen.

Dieses Vorgehen ist bemerkenswert und kontrovers, bedeutet es doch den Eingriff eines souveränen Staates, des Heiligen Stuhls, in die Angelegenheiten eines anderen, nämlich des alten, aristokratischen Souveränen Malteserordens, der unzählige Wohltätigkeitsprogramme auf der ganzen Welt unterhält.

Der Vatikan ordnete an, dass bis zur Ernennung eines päpstlichen Abgeordneten der Vorsitz des Ordens auf den stellvertretenden Großmeister übergehen solle.

Die Benennung eines päpstlichen Vertreters signalisiert eine Übernahme durch den Vatikan, die an frühere Machtergreifungen des Kirchenstaates erinnert, wie im Fall der Legionäre Christi und der Jesuiten, als diese mit Skandalen und Unruhen zu kämpfen hatten. Allerdings handelt es sich bei den Genannten um religiöse Orden, die dem Heiligen Stuhl direkt unterstellt sind. Der Malteserorden ist eine souveräne Organisation, die dem Völkerrecht untersteht, was das Eingreifen des Vatikans umso außergewöhnlicher macht.

Der Malteserorden verfügt über verschiedene Eigenschaften eines souveränen Staates. So stellt er seine eigenen Briefmarken, Reisepässe und Nummernschilder aus und unterhält diplomatische Beziehungen mit 106 Staaten, einschließlich des Heiligen Stuhls.

Dementsprechend ist allein die Stellungnahme, mit der der Vatikan eine Übernahme ankündigt, problematisch. Den ordenseigenen Richtlinien zufolge wird der Großmeister vom Großen Staatsrat des Malteserordens gewählt und nur beim Rat reicht der Großmeister seinen Rücktritt ein. Der Papst wird üblicherweise nur über die Entscheidungen informiert.

„Es ist nicht die Aufgabe des Papstes, den Rücktritt des Großmeisters zu akzeptieren, sondern die Aufgabe des Souveränen Rats“,

bemerkte Dr. Kurt Martens, Professor für Kirchenrecht an der Katholischen Universität von Amerika.

Dr. Martens bezeichnete die vatikanische Intervention als „gefährlich“, da sie einen Präzedenzfall schafft, der eines Tages gegen den Heiligen Stuhl verwendet werden könnte. Dieser genießt einen ähnlichen Sonderstatus wie eine souveräne Instanz.

Quelle: BostonGlobe.com,26.02.2017, http://tinyurl.com/gue4924


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