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»Völkerwanderung«: Römisches Reich ging an Einwanderern zugrunde

von Gerhard Wisnewski

Manchmal lohnt es sich doch, in Zeitungsarchiven zu stöbern. Und was findet man da: Einen Text des freien Historikers Dr. Wolfgang Kaufmann, der schon 2011 darauf bestand, das Römische Reich sei nicht an chronischer Bleivergiftung, Degeneration oder Egoismus zugrunde gegangen, wie »moderne« Historiker behaupten ‒ sondern an seinen Einwanderern …

Kaufmann gebührt das Verdienst, das noch einmal deutlich festgestellt zu haben (Junge Freiheit, 5.10.2012). Denn etwa seit den 60er-Jahren habe sich die etablierte Geschichtswissenschaft plötzlich alle Mühe gegeben, die letzte Ursache für den Untergang des Römischen Reiches unter den Tisch zu kehren:

»Nun wurde das Ende des Imperium Romanum bevorzugt auf hausgemachte Gebrechen zurückgeführt, als da beispielsweise wären: Aberglaube, Badewesen, chronische Bleivergiftung, Degeneration, Egoismus, Feinschmeckerei, Gicht, Hedonismus, Impotenz, Kinderlosigkeit, Lethargie, Materialismus, Nichternst, Orientalisierung, Psychosen, Quecksilberschäden, Rentnergesinnung, Sittenverfall, Traurigkeit, Überalterung, Verstädterung, Willenslähmung und Zölibat.«

Insgesamt soll die Geschichtswissenschaft nicht weniger als 210 verschiedene Ursachen für den Untergang Roms aus dem Hut gezaubert haben.

Die Überarbeitung der Geschichte

Offenbar war schon in den 60er-Jahren ausgemacht, dass Deutschland und Europa demnächst von Immigrantenwellen heimgesucht werden würden. Und genau deswegen empfahl es sich wohl, die Geschichte in Sachen Völkerwanderung ein wenig ‒ sagen wir: zu »überarbeiten«. Tatsächlich kamen damals ja auch schon die ersten »Gastarbeiter« ins Land, um beim deutschen Wirtschaftswunder auszuhelfen. Und wie wir heute wissen, war das nur ein kleiner Vorgeschmack auf eine Zeit, in der jeder jederzeit würde kommen dürfen ‒ praktisch egal, aus welchem Grunde.

Im Falle Roms reden wir von der Völkerwanderung von Stämmen wie Hunnen, Germanen, und Vandalen, die noch heute einen schlimmen Ruf genießen (daher der Begriff »Vandalismus [1]«), unter der das Römische Reich schließlich zusammenbrach.

Als Auslöser der Migration gelten zwar angebliche Naturkatastrophen in Skandinavien und an Nord- und Ostsee: Wichtig war aber gleichzeitig der Mythos von einem Gelobten Land, nämlich

»die Kenntnis von einer Welt im Süden mit ihren günstigen Lebensbedingungen, ihrem Reichtum, ihrer Ordnung, die für diese Völker ein Eldorado bedeutet haben muss«,

schrieb auch der renommierte Historiker Gerhard Wirth. Jahrhundertelang stand Rom unter einem ständigen Wanderungs- und Invasionsdruck, auf den das Imperium mit einer Kombination aus militärischer Abwehr, Abgrenzung (Limes, Hadrianswall) und später mit vermehrter Integration reagierte.

Während in der Blütezeit Roms manche Kaiser »ihre Zeit fast ausschließlich an der Front zu verbringen« hatten, wurden später ganze Gruppen von Zuwanderern aufgenommen und »integriert«:

»Auf die Dauer war eine solche Integration Zugewanderter« allerdings nur möglich, so Wirth, solange im Reich »aufnehmende Bevölkerungsteile vorhanden waren, die eine solche ermöglichten«.

Wo solche Bevölkerungsteile fehlten oder zu schwach geworden waren,

»behielten diese Fremden zwangsläufig ihre eigene Zivilisation und ihre Lebensformen bei, ja entwickelten ein eigenes Selbstbewusstsein auch gegenüber den Restbeständen früherer Bevölkerung, die ihrerseits nun in einen Sog der Barbarisierung gerieten.«

Die Enzyklopädie der Ideologien

Genau das versucht man uns heute zu verschweigen. Klammheimlich wurde die Wahrheit inzwischen relativiert und umgedeutet. Der Untergang des Römischen Reiches durch Völkerwanderung, Invasion und »Integration« soll heute so nicht mehr gelehrt werden. Gradmesser dafür ist einmal mehr die sogenannte »Enzyklopädie« Wikipedia, die eher eine Enzyklopädie der jeweils herrschenden ideologischen Irrtümer ist: In der modernen Forschung werde der Begriff der Völkerwanderung

»zunehmend kritisch gebraucht, da nach heutiger Einschätzung das in der älteren Forschung entworfene Bild von ›wandernden Völkern‹ nicht haltbar ist und vielen Gelehrten mittlerweile als widerlegt gilt«, heißt es da. »Entscheidend ist dabei nicht zuletzt, wie man ›Volk‹ definiert.«

Etwas, was es nicht gibt, kann auch nicht wandern

Eben, denn auch der Begriff »Volk« fällt ja zunehmend in Ungnade, und etwas, das es nicht gibt, kann natürlich auch nicht wandern.

»Von einem einheitlichen Prozess der ›Wanderung‹ ganzer Völker kann daher kaum die Rede sein«, meint Wikipedia: »Diese bis heute populäre Vorstellung gilt den meisten Forschern heute vielmehr als ›Mythos‹, der auf den Nationalismus des 19. Jahrhunderts zurückgeht.«

Auf diese Weise möchte man diesen »Mythos« also schnell in die nationalistische, wenn nicht sogar nazistische Ecke stellen und über des Gedächtnisloch Wikipedia entsorgen.

»Welche Rolle die Entwicklungen der Völkerwanderungszeit bei der Auflösung des Weströmischen Reiches spielten, ein in der Forschung immer wieder diskutiertes Problem, ist kaum pauschal zu beantworten«, relativiert das Lexikon.

Aber immerhin:

»Sicher ist, dass Rom im späten 4. und im 5. Jahrhundert nicht mehr in der Lage war, seine Grenzen so effizient wie früher zu verteidigen.«

In etwa also so wie die Europäische Union und Mitgliedsländer wie Deutschland, die nicht mehr in der Lage sind, den Einwandererstrom zu erfassen und zu kontrollieren.

Ein »phantasievolles Experiment«

Macht nichts. Laut dem äußerst einflussreichen Historiker Walter A. Goffart habe es in Rom ja eigentlich gar keine Krise mit nachfolgendem Untergang gegeben, sondern nur

»ein phantasievolles Experiment, das ein wenig außer Kontrolle geriet«, zitiert Kaufmann den Kollegen. Eh klar.

»Von da ab war es nicht mehr weit bis zur schwammig-neutralen Formel von der ›Transformation of the Roman World‹, welche einen überwiegend harmonischen Übergang zum System der Nationalstaaten suggerierte und damit natürlich viel besser zur Idee vom friedlich vereinten Europa passte«.

Das Phänomen der Massenmigration, genannt Völkerwanderung, sei

»ganz explizit zu einer Fußnote in der bewegten Geschichte des ersten Jahrtausends degradiert« worden. »Damit hatte das akademische Gutmenschentum einmal mehr die Geschichte uminterpretiert und zu einer rosarot kolorierten Karikatur ihrer selbst gemacht.«

Der Anfang vom Ende des Römischen Imperiums falle jedoch

»eindeutig auf den Sommer des Jahres 376 nach Christus. Zu diesem Zeitpunkt fühlten sich einige gotische Stämme von den Hunnen bedrängt und begehrten deshalb Asyl im Reich«. Zwar habe Kaiser Valens militärisch seinerzeit noch die Möglichkeit gehabt, »den Übergang der Goten über die Donau zu verhindern«.

Doch siehe da: Auch damals schon litt die römische Widerstandskraft »nicht zuletzt unter der neuen christlich-pazifistischen Einstellung« von Mildtätigkeit, Nächstenliebe und Mitleid.

Das heutige Spenden-Unwesen lässt grüßen:

»Ein großer Anteil des öffentlichen und privaten Wohlstands wurde den trügerischen Forderungen von Mildtätigkeit und Hingabe geopfert.«

Das heuchlerische Christentum hatte Rom ohnehin schon entscheidend geschwächt. Und auch damals gab es schon Schmeichler, die dem Kaiser die Immigration schmackhaft machten ‒ und zwar mit dem Hinweis auf die vielen neuen »Facharbeiter« beziehungsweise Rekruten für das Römische Reich.

Nach nicht einmal einem Jahr hätten die integrierten Goten jedoch angefangen, Ärger zu machen und die römische Provinz Thrakien zu terrorisieren. Als Valens die Ordnung habe wiederherstellen wollen, habe er eine vernichtende Niederlage erlitten und sei elend verbrannt, als die Goten seine letzte Zuflucht angezündet hätten.

»Trotzdem aber setzte das Imperium weiter auf eine Assimilation der Flüchtlinge, was diese 410 damit vergalten, dass sie Rom plünderten.«

Kurz zuvor hatte der Dichter Claudius noch geschrieben, dass die Macht Roms kein Ende nehmen werde.

Pax Romana und Pax Germania

Im Widerspruch zu jedweder romantischen Verklärung der angeblichen »Transformationen« sei »das zivilisatorische Niveau in vielen Regionen des Kontinents auf den Stand prähistorischer Zeiten« gesunken, so Kaufmann:

»Statt Geldwirtschaft gab es wieder Tauschhandel, viele Alltags- und Luxusgüter verschwanden völlig vom Markt, streckenweise verlernte man sogar den Gebrauch der altbekannten Töpferscheibe, die einstmals hochentwickelte Infrastruktur verfiel, das Bildungswesen war nur noch ein Schatten seiner selbst und die Landwirtschaft erlebte einen drastischen Produktivitätsrückgang, was ebenso zum Bevölkerungsschwund beitrug wie die nun verstärkt aufkommenden Seuchen und die permanenten Gewaltexzesse aufgrund des Fehlens einer staatlichen Rechtsordnung.«

Dies sei insofern paradox, als es ja gerade die Pax Romana gewesen sei, »welche die Zuwanderer einstmals angelockt hatte« ‒ also die Nachricht vom friedlichen, reichen und glücklichen Rom, das von dem ersten Kaiser Augustus begründet worden war. Genau diese lang anhaltende Anziehungskraft wurde Rom demnach zum Verhängnis.

Ein »überaus deutliches Menetekel«

Bei den Migrantengruppen, deren »Integration« ins Reich letztlich zum Kollaps geführt habe, habe es sich um

»ebenso komplexe wie provisorische multikulturelle und multiethnische Koalitionen« gehandelt, »bestehend aus hochmobilen aggressiven jungen Männern samt familiärem Anhang, in einer Größenordnung von jeweils nur einigen zehntausend Menschen«.

Zwar seien diese Eindringlinge »in jedem Falle zahlenmäßig unterlegen« gewesen und habe der Migrantenanteil nirgends zehn Prozent überschritten:

»Trotzdem aber ist es den Einwanderern gelungen, heftige politische, militärische und ökonomische Schockwellen auszulösen, in deren Folge sie innerhalb von zwei bis drei Generationen an die Macht gelangen und die römische Gesellschaft und Kultur ein für allemal zerstören konnten.« Deswegen solle sich auch »heutzutage niemand von den statistischen Angaben einlullen lassen, deren Zweck darin besteht, zu demonstrieren, das die alteingesessene Bevölkerung ja immer noch die Mehrheit stelle«.

Das Ende des Römischen Reiches sei

»ein überaus deutliches Menetekel dafür, dass auch ein prozentual geringer Anteil von Migranten die Aufnahmegesellschaft bis in ihre Grundfesten erschüttern oder gar komplett ruinieren kann, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind«.

Oder um es mit den Worten des berühmten Archäologen Bryan Ward-Perkins zu sagen:

»Die Römer waren vor dem Untergang genauso wie wir heute sicher, dass ihre Welt für immer im Wesentlichen unverändert bleiben würde. Sie lagen falsch. Wir wären gut beraten, nicht genauso selbstgefällig zu sein.«

Noch beunruhigender als dieses Zitat ist fast der Titel der Quelle, aus dem es stammt:

»Der Untergang des Römischen Reiches und das Ende der Zivilisation.«

[1] Unter Vandalismus (auch Wandalismus) versteht man allgemein eine „blinde Zerstörungswut“. Das Wort Vandalismus leitet sich sprachlich − jedoch historisch wenig begründet – von der germanischen Volksgruppe der Vandalen ab, die in der Spätantike in das römische Reich einwanderten.


Quelle und Kommentare hier:
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