WALTHER der Schreckliche

von Frank Kretzschmar

John Demjanjuk

SPIEGEL 18/2.5.11 S 61ff, Strafjustiz
Gisela Friedrichsen: EIN GEBOT DER MENSCHLICHKEIT

Zitat: „Laut (Nebenklägervertreter) Nestler führt die Konzentration der Ermittlungen auf Exzesstaten zu jenem …vorherrschendem Mythos, man brauchte für die Einleitung von Ermittlungen wegen Beteiligung am Mord zwingend und in jeder historischen Situation den Nachweis einer unmittelbaren Tötungshandlung.´ Dies gilt nun nicht mehr.“

SPIEGEL 20/16.5.11 S.44, Das Demjanjuk-Urteil klärt die Schuld der NS-Helfer
Gisela Friedrichsen: ALLEN WAR KLAR, WAS GESCHAH

Zitat: „Doch inzwischen weht ein anderer Wind durch die deutschen Gerichtssäle. .. Dieser Wind lässt aufatmen…Er (der Demjanjuk-Prozess) hat auch eine historische Dimension. Denn er bedeutet Zensur.“ Hat er doch „in manches von der Gewohnheit umnebelte Juristenhirn wieder Klarheit gebracht…Das Unsägliche bedurfte unzähliger Helfer, die sich ebenfalls schuldig gemacht haben.“

„Dieser Wind lässt aufatmen?“ Pesthauch des Unrechts! Demjanjuk wurde allein dafür angeklagt und verurteilt, dass er zum Personal des Lagers SOBIBOR gehörte. Davor hätte er sich drücken müssen: durch auf der Flucht erschossen, zum Beispiel. Umkehr der Beweislast. Ende von Unschuldsvermutung und Notstand.

Doch mit des Geschickes Mächten
Ist kein ewger Bund zu flechten

Ewig wurde dieser Bund des Grauens für Iwan Mikolajewitsch, später John DEMJANJUK erst, als der Sowjet-hörige Kommunist Michael HANUSIAK, der in New York die „Ukrainian Daily News“ herausgab, sowie Amtsrichter Thomas WALTHER aus Wangen im Allgäu über ihn herfielen. Ersterer setzte Demjanjuk 1975 auf eine Liste von 70 US-Bürgern ukrainischer Herkunft, die angeblich an NS-Kriegsverbrechen beteiligt waren und Letzterem, vom SPIEGEL als „Querdenker“ und anderen Orts als „Spiritus Rector des Verfahrens“ geherzt, „ist es zu danken, dass die eingefahrene … Praxis, nur Personen zu verfolgen, denen konkreten Taten nachzuweisen waren, ein Ende fand.“ Und damit der Rechtsstaat, möchte man hinzufügen.

Aber auch die endlichen der Geschickes Mächte meinten es nicht gut mit Iwan. 1920 in einem ukrainischen Kaff geboren, ging er vier Jahre zur Schule, arbeitet als Traktorist in einer Kolchose, wurde 1940 zur Roten Armee gezogen und geriet 1942 bei Kertsch in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nüchterne Fakten, hinter denen sich unsägliches Elend verbirgt. Gehört Iwan doch zu den Unglücklichen, die Stalin 1932/33 mit dem HOLODOMOR, dem Hunger-Holocaust, überzog und dem allein in der Ukraine Abermillionen Bauern zum Opfer fielen, sowie zu den fast drei Millionen Rotarmisten, die, an der Westgrenze zum Angriffskrieg aufgestellt, bis zum Frühjahr 1942 in deutsche Gefangenschaft gerieten.

Den Zwangskollektivierungs-Hunger überlebte er, dreizehnjährig, indem er sich von Rinde, Zweigen, Ratten und Mäusen ernährte, die Gefangenschaft, indem er sich, so die Variante seiner amerikanischen, israelischen und deutschen Verfolger, zum Hilfswilligen rekrutieren und in Trawniki von der SS zum Wachmann ausbilden ließ.

Unstreitig, dass Demjanjuk im Mai 1945 in Landshut als Displaced Person erfasst wurde, sich mit Gelegenheitsarbeit durchschlug, 1947 in Regensburg die Ukrainerin Wera heiratete,1950 in Ulm seine Tochter Lydia zur Welt kam. 1952 reiste er mit seiner Familie in die USA aus, ward 1958 deren Staatsbürger, mutierte vom Iwan zum John und bekam weitere zwei Kinder, Irene und John junior. Bis zu seiner Pensionierung schaffte er als Mechaniker bei Ford, erwarb in Sven Hills, Ohio, Häuschen mit Garten, besuchte die ukrainisch-orthodoxe St.-Vladimir -Kirche, hielt den Rasen kurz, spielte mit den Enkeln und schraubt an den Autos der Nachbarn. Vom halbverhungerten Kolchosnik und todgeweihten Rotarmisten zu bescheidenem Wohlstand und Sicherheit. Ein amerikanischer Traum?

Bis er auf Michael HUNSIAKS Täterliste erschien. Nur zu eifrig nahm der INS, die Einwanderungsbehörde des US-Justizministeriums, Ermittlungen auf. Ohne Ergebnis. Niemand konnte sich Iwan Demjanjuks aus Sobibor erinnern. Nichts anderes ergibt sich aus dem Abschlussbericht A8 237417 vom 19.12.1976.

Ende gut, alles gut? Mitnichten! Der New Yorker INS-Chef schickt Demjanjuks Akte an israelische Spezialermittler, die sein Foto KZ-Überlebenden vorlegen. Gleichwohl die Ablichtung aus dem Jahre 1951 stammt, Demjanjuk zivil gekleidet und wohlgenährt zeigt, identifizieren ihn gleich mehrere Ehemalige als „IWAN DEN SCHRECKLICHEN“, keinen Geringeren als die Gaskammer-Kanaille von Treblinka, der, soviel Lager-Porno muss sein, Frauen, mir nichts – dir nichts, die Brüste abschnitt. „Schwangere Frauen mit Stichwunden in den Bäuchen, Frauen mit Föten, die halb heraushingen, junge Mädchen mit Stichwunden, mit ausgedrückten Augen“, so Zeuge Pinchas EPSTEIN unter Eid.

Obwohl der Spezialermittler des Justizministeriums, George PARKER, zu dem Ergebnis kam: „Wir haben wenige verwertbare Beweise, dass der Beschuldigte in Sobibor war und ernste Zweifel, dass er in Treblinka war“, verliert Demjanjuk 1981 seine US-Staatsbürgerschaft, wird an Israel ausgeliefert und dort am 25. Februar 1987 vor Gericht gezerrt. Ein neuer EICHMANN musste her. Koste es was es wolle: Live in Radio und Fernsehen.

Zweifel? Demjanjuk ist der ultimativ Böse, Iwan Grosny, das Monster von Treblinka. Klar, dass Gerichtsbesucher, wenn sie nicht gerade, hui, in Ohnmacht fielen, frei von der koscheren Leber weg „Schluss mit dem Prozess! An den Galgen mit ihm!“ skandierten. Drei Richter ereilte der Herzinfarkt. Dank Aussagen wie die des ehrenwerten Eliahu ROSENBERG, der am 25. Februar 1987 in den Zeugenstand trat. Ein Jahr lang war er mit dem Apokalyptischen in der Gaskammer zu Gange. Tag für Tag. Seite an Seite. Auge in Auge. Von Richter Levin gebeten, Demjanjuk final als Ungeheuer zu identifizieren, lässt er diesem die Brille abnehmen: „Ich will seine Augen sehen.“ Demjanjuk, unbebrillt, streckt Rosenberg die Hand entgegen, lächelt und sagt auf Hebräisch „Shalom!“ Rosenberg schlägt die Hand weg und brüllt: „Du Mörder, wie kannst Du es wagen, mir die Hand zu reichen?!“ Nachdem Rosenbergs Frau Aina im Zuschauerraum, oups, aus ihrer Ohnmacht erwachte, fasst der Richter beherzt nach und Rosenberg bezeugt:

„Das ist Iwan! Ich sage das ohne Zögern, ich habe nicht den leisesten Zweifel. Dieser Mann, der in diesem Moment vor mir steht – das ist Iwan aus der Gaskammer von Treblinka. Ich habe seine Augen gesehen. Seine mörderischen Augen.“

Dabei musste dem Rosenberg doch glatt entgangen sein, dass er am 20. Dezember 1945 eigenhändig einen Bericht verfasste, auf dessen Seite 66 es heißt:

„Wir verließen die Baracke und griffen die Ukrainer an, die uns bewachten. Danach stürmten wir den Maschinenraum, in dem Iwan schlief. Gustav, der als erster bei ihm war, schlug ihn mit einem Spaten auf den Kopf. Iwan blieb liegen, für immer.“

Dies gestand er auf gerichtlichen Vorhalt auch ein. Davon, dass Rosenberg für seine Falschaussage zur Verantwortung gezogen wurde oder er sich bei Demjanjuk entschuldigte, ist allerdings nichts bekannt. Davon, dass sich die amerikanische, israelische und deutsche Verfolger-Meute von der Ungeheuerlichkeit dieser Lüge auf Leben und Tod beeindrucken ließ, auch nicht. „Demjanjuk anzuklagen wurde für uns alle zur Obsession“, so US-Ermittler Parker.

Allein dieser Besessenheit ist es geschuldet, dass man Demjanjuk am 25. April 1988 zum Tode verurteilte. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das 400-seitige Schandurteil „in heiliger Ehrfurcht“ und „im vollen Bewusstsein der schweren Verantwortung“ gefällt wurde. Dagegen legte der dem Strang Geweihte Berufung ein, die Archive der zerfallenden Sowjetunion wurden zugänglich und ergaben schlagend, dass es sich bei Iwan dem Schrecklichen um Iwan MARTSCHENKO und nicht Demjanjuk handelte, eine Tatsache, die der amerikanischen Auslieferungsbehörde wohl bekannt war, aber zurückgehalten wurde.

Am 29. Juli sprach das Oberste Gericht Israels Demjanjuk auch in Anbetracht möglicher Taten als Wachmann in Sobibor frei. Zwei Monate später, nach siebeneinhalb Jahren Haft, davon fünf in der Todeszelle, wurde Demjanjuk freigelassen, noch immer in Handschellen, mit einem 380.000-Dollar-Haftentschädigungs-Scheck in einen El Al-Jumbo gesetzt und, von jüdischen Mitreisenden bespuckt, in die Staaten ausgeflogen. Bereits im Vorjahr hatte er seine US-Staatsbürgerschaft zurückerhalten.

Genug gelitten? Mehr als die Kreatur je ertragen kann? Mitnichten, angesichts einer ins Wahnhafte gesteigerten Verfolgungsorgie. Wenn schon nicht Iwan der Schreckliche von Treblinka, dann wenigstens der Gaskammer-Treiber von Sobibor. In der Not frisst der Teufel Fliegen. Teuflisch, dass die USA Demjanjuk 2004 erneut die Staatsbürgerschaft entzogen.

Des Teufels Amtsrichter Thomas WALTHER, der, anstatt seine Pension zu vernaschen, sich der Ludwigsburger „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ als Ermittler andiente und dem Demjanjuks Ausbürgerungs-Entscheidung unterkam: „Ich habe alles stehen und liegen lassen, das Haus im Allgäu, meine vier Kinder, alles.“ Verständlich. „Ein Größerer als Demjanjuk kommt nicht nach“, steckte Walther der „Schwäbischen Zeitung“. Eine größere Rechtsbeugung auch nicht. Sei´s drum. Vom Dorfrichter Adam zum Nazi-Jäger von Weltgeltung. Eingang ins Geschichtsbuch inklusive . Was sind dagegen, püh, schon Rechtsgrundsätze wie: NE BIS IN IDEM? Nicht zweimal wegen Desselben? IN DUBEO PRO REO? Im Zweifel zugunsten, die Unschuldsvermutung? Verbot von Doppelbestrafung? Ohne Tat kein Täter? Befehlsnotstand? Verhältnismäßigkeit?

Keinen Pfifferling wert für Mein-Gott-Walther, angetreten, um mit diesen „Mythen“ aufzuräumen und endlich „Klarheit in umnebelte Juristenhirne“ zu bringen. Und so störte es Walther auch nicht die Bohne, dass in der Beobachtungsakte 110 AR 328/ 83 seiner Behörde geschrieben steht: „Demjanjuk war nicht in Treblinka – jedoch in Sobibor. Keine Erkenntnis über Einzeltaten“ und dass sein Chef, Oberstaatsanwalt Kurt SCHRIMM, nach seiner Vorsprache in Washington zu Papier brachte: „Ein individueller Tatvorwurf ist aus den vorgelegten Unterlagen nicht ersichtlich.“ Den, so Walthers gefeierte Querdenke, braucht´s auch nicht. Mit gehangen, aber hallo, mit gefangen.

In seiner Monographie „Vernichtungslager Sobibor“ zitiert der hier führende Historiker Julius SCHELVIS den Augenzeugen Heinrich BARBL:

„Mit den dafür (die Vergasung) ausgesuchten Frauen, die mit einem Autobus herangefahren wurden, kamen auch Schwestern vom Roten Kreuz, Sie halfen beim Ausziehen.“

Hohe Zeit, dass Walther über die, sie sterben sonst glatt weg, herfällt. Auch über Adalbert RÜCKERL, den früheren Chef der Zentralstelle, damit endlich Klarheit dessen umnebeltes Juristenhirn erhelle. Schließlich veröffentlichte er 1979 im DTV-Verlag München:

„Die Gaskammern erwiesen sich als zu klein, die ´Leistung´ des Lagers Sobibor war zu gering… Durch einen Bautrupp wurde … das alte Gaskammergebäude zum Teil abgerissen und durch einen neuen, größeren Massivbau … ersetzt. Bei nunmehr sechs Kammern konnte nach Fertigstellung der Bauarbeiten, die wegen des Einsatzes jüdischer Häftlinge als Handlanger zügig innerhalb weniger Wochen vorangingen, jeweils etwa 480 Menschen bei einem Vergasungsvorgang getötet werden.“

Wie jetzt?! Zügig werkelnde jüdische Handlanger beim Gaskammer-Erweiterungsbau? Diesen, so viel Gleichheits-Grundsatz, Walther, muss sein, war Arbeitsverweigerung oder Flucht selbstredend nicht zuzumuten. Was aber wird aus Wasserwerkern und Stromlieferanten, ohne die die Maschinerie Sobibor nicht funktionieren konnte? Im Zweifel zu Ungunsten?

Wenn Wahn die Massen ergreift, wird er zur materiellen Gewalt. Zumal, wenn er einem Cocktail aus US-Hörigkeit, Israel-Liebedienerei, selbstzerstörerischem Demuts- und Dauerschuld-Komplex sowie vorauseilendem Gehorsam bis zur Selbst- und Rechtsaufgabe geschuldet ist. Und so wurde der erneut Staatenlose am 12. Mai 2009 per Lazarettmaschine an Deutschland überstellt, in die Krankenstation einer bayrischen Justiz-Vollzugsanstalt eingeliefert und am 13. Juli 2009 von Staatsanwalt Hans-Joachim LUTZ vor dem Landgericht München II angeklagt. Am 12. Mai 2011 verurteile Richter Ralph ALT den 91-jährigen, Bettlägerigen, von einem unsäglichen Schicksal Gezeichneten, nach 93 Verhandlungstagen, auf den Tag genau zwei Jahre nach seiner Auslieferung, nach insgesamt fast 11 Jahren in Haft wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Menschen, begangen vor 68 Jahren im Vernichtungslager Sobibor von März bis September 1943, zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Nebensächlichkeiten, wie die, dass es zwischen dem 21.Juli und dem 14.September 1943 keinerlei Transport nach Sobibor gab, spielten im Urteil keine Rolle. Gleich gar nicht das Zeugnis des Hershl ZUKERMAN: „In unserer Küche kochten wir das Essen für Lager Nr. 3, und ukrainische Wärter pflegten das Geschirr zu holen. Einmal steckte ich eine Notiz in jiddischer Sprache in einen Knödel: ´Bruder, lass mich wissen, was ihr tut. ´ Die Antwort steckte im Boden des Topfes: ´Du hättest nicht fragen dürfen. Menschen werden vergast und wir müssen sie begraben. ´“ Demjanjuks Freispruch Erster Klasse.

Davon völlig unberührt, urteilt Richter Alt, Demjanjuk, sei Teil der „Vernichtungsmaschinerie“ gewesen. Auch wenn man ihm keine individuelle Tat nachweisen konnte, habe er sich schuldig gemacht, indem er in Sobibor Dienst tat, der zwingend darin bestand, in Viehwagons aus Holland deportierte Juden nackt durch den Schlauch in eine vier mal vier Meter große Kammer zu treiben, in die die Abgase eines erbeutetet sowjetischen Panzermotors geleitet wurden. Da auch von dieser Kammer nichts übrig ist, keine Fotos, Bau- oder Betriebsunterlagen existieren und hochprofessionelle archäologische Untersuchungen der Jahre 2001 und 2008 keinen Tötungsraum zutage förderten, brächten akribisch protokollierte Augenzeugenaussagen Licht ins Schreckensdunkel des Tatwerkzeugs. Wenn Walther, Lutz, Nestler, Alt & Co sie denn zur Kenntnis zu nehmen geruhten.

Die des mehrfach verfilmten Helden des Sobiborer Häftlingsaufstands, Alexander PETSCHERSKI, zum Beispiel:

„Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, man betrete ein ganz normales Bad… Eine schwarze, schwere Substanz ergießt sich in Spiralen aus an der Decke angebrachten Löchern. Man hört grauenvolle Schreie…“ Und: „Immer wenn Menschen in das …Hinrichtungsgebäude geführt werden, treiben die Deutschen dreihundert Gänse in den Hof … und scheuchen sie hin und her, damit ihr aufgeregtes Geschnatter die Schreie der Sterbenden übertönt.“

Am 10. August 1944, in Echt-Zeit also, gab Ber Moisejewitsch FREIBERG zu Protokoll:

„Wenn eine Gruppe von achthundert Personen das ´Bad´ betreten hatte, wurde die Tür dicht geschlossen …In einem separaten Gebäude gab es eine elektrische Maschine, welche tödliches Gas produzierte. Dieses Gas wurde in Behälter und von dort aus mittels Schläuche in den Erstickungsraum geleitet.“

Ein weiterer Zeuge, Leon FELDHENDLER, wusste 1945/1946 zu berichten:

„Das Bad war so eingerichtet, als diene es tatsächlich zum Waschen. Die Bäder waren Gaskammern. Man vergaste 500 Personen aufs Mal. Manchmal ließen sie einen Chlorstrom durch, es wurde ständig anderes Gas getestet.“

Gleichfalls zeitnah ist die Erkenntnis der Zeugin Zelda METZ:

„Dann gingen sie (die Opfer) in die Baracken, wo man ihnen das Haar schnitt, und von dort aus ins ´Bad´, d.h. die Gaskammer. Sie wurden mit Chlor erstickt. Nach 15 Minuten waren alle erstickt“ Zur Opferbeseitigung: „Der Ofen war ein gewaltiger Herd mit Rost unter freiem Himmel.“

Ebenso grotesk und widersprüchlich die Aussagen zum Gaskammerbau: Holz oder Stein, ebenerdig, auf Zementsockel, sowie zur Anzahl der Tötungsräume: eins bis acht, mit und ohne Bodenluke, mit und ohne Gleisanschluss, Karren, Loren, Güterwagen oder Grube.

Gut auch, dass sich Demjanjuks Kesseltreiber Miriam NOVITCHS Sammelband SOBIBOR nicht antaten, in dem Ex-Häftlinge zu Wort kommen. Da belauscht z.B. Starzeuge Moshe BAHIR eine Unterredung zwischen den SS-Leuten BECKMANN und BREDOWB: Himmler erschien im Februar 1943 zu Besuch, „um den Abschluss der Vernichtung der ersten Million Juden in Sobibor zu feiern.“ Lager-Porno? Aber immer doch! Zelda METZ im BLUMENTHALS „Dokumenty i Materialy“: „Ende Sommer 1943 kam Himmler nach Sobibor. Um ihm zu zeigen, wie effizient das Vernichtungslager arbeitet, brachte man …7500 junge, schöne Mädchen, die vor seinen Augen hingerichtet wurden.“ Splitterfasernackt, versteht sich. Wie sich die Bilder gleichen: Für Treblinka wird folgende Ausgeburt des kranken Hirns der polnisch-jüdischen Holocaust-„Forscherin“ Rachel AUERBACH für bare Münze genommen: „Man sagt, für Himmler sei anlässlich seines Besuchs in Treblinka Ende Februar eine ganz besondere Attraktion vorbereitet worden. Eine Gruppe junger, speziell für diesen Anlass ausgesuchter Frauen wurde – nackt, damit der SS-Reichsführer ästhetischen Genuss an ihren Körpern finden konnte – ins Badehaus getrieben, welches sie dann als Leichen verließen.“ Widerlicher kann man das Andenken dort ums Leben Gekommener nicht besudeln.

Doch zurück zu BAHIR „Manchmal erlaubte sich Grot einen Scherz; er griff sich einen Juden, gab ihm eine Flasche Wein und eine Wurst, die wenigstens ein Kilogramm wog und befahl ihm, sie in ein paar Minuten zu verschlingen. Wenn der ´Glückliche´ es fertigbrachte … befahl ihm Grot, den Mund weit aufzumachen und uriniert ihm in den Mund.“ Ber FREIBERG: „Dann erfanden die Nazis einen neuen Zeitvertreib: sie nähten den Unterteil der Hosen der Häftlinge zu und ließen Ratten hinein. Die Opfer mussten ruhig dastehen; wenn sich einer bewegte, wurde er zu Tode geprügelt.“

Da will Barbara DISTEL, langjährige Leiterin der Gedenkstätte Dachau, nicht hintanstehen. Sich dabei auf einen Dieselmotor als Tatwaffe festzulegen, war hinsichtlich Herkunft und Wirkung keine gute Idee. Dass Gänselieschen sich nicht entblödete, die lächerliche Geschichte vom Federvieh aufzuwärmen, das „aufgescheucht wurde, um mit ohrenbetäubenden Geschnatter die Schreckensrufe der Opfer zu übertönen“, auch nicht. Von der kritiklosen Übernahme der Tötungsphantasien eines Adam LICHTMAN ganz zu schweigen: „Jeder SS-Mann hatte seine eigene Art zu töten…Gomerski tötete die Gefangenen mit einem Stock, in dem Nägel eingelassen waren; Groth und Wagner kamen mit ihren Hunden. Wenn sie zu einem Häftling sagten: ´Ah, Du willst nicht arbeiten? ´riss der Hund das Opfer in Stücke.“ Sitz, Platz, und Fuß!

Ob Babsy vom rechten Glauben fiele, wenn sie ihre politisch korrekte Mainstream-Nase in Robert SOMMERS, weiß Gott kein Revisionist, „Das KZ-Bordell“ steckte? Spätestens auf Seite 185 traute sie ihren entzündeten Äuglein nicht:

„Da Konzentrationslager staatliche Einrichtungen waren und nicht im rechtsfreien Raum existierten, ist es plausibel, dass auch hier die gesetzlichen Verordnungen bezüglich Hygiene, Seuchenbekämpfung und Prostitutionskontrolle galten.”

Plausibel? Im inneren Kreis der Hölle, wo ein Menschenleben bestenfalls einen Lampenschirm oder ein Stück Seife wert war? Plausibel?! Und das im Auge des ultimativ Bösen, aus dem Eugen Kogon, Aktivist der ersten Shoa-Stunde, in seinem 1946-er Bestseller ”Der SS-Staat” zu berichten weiß:

”Gern stellte SS-Oberscharführer Moll, der die Auschwitzer Krematorien leitete, nackte Frauen an die Glühgrube, um sie nach Unterleibsschüssen in das Feuer stürzen zu sehen.”

So sehen sie aus, die Beweise, auf die sich, ermangels forensischer oder dokumentarischer, Opferzahl-Hochseilartisten, Horror-Gralshüter, Historie-Verbieger und furchtbare Juristen a la Walther, Alt & Nestler stürzen. Je größer der zeitliche Abstand, desto aberwitziger die Phantasien Überlebender. So im soeben erschienenen „Der Mann, der ins KZ einbrach“, für den Denis AVEY vom englischen Premierminister als „Hero of the Holocaust“ dekoriert wurde.

Da ist Julius SCHELVIS´ „Vernietungskamp Sobibor“, zuletzt 2008 auf Niederländisch erschienen, aus anderem Holz. Bei den Zeugenaussagen lässt er Abartiges weg, so dass der Leser ihre Absurdität nicht erkennt, gesteht aber ein:

„Jahrelang wurde davon ausgegangen, dass zwischen 200.000 und 250 000 Juden ins Vernichtungslager Sobibor deportiert wurden. Neue Forschungen ergeben, dass diese Ziffer nach unten revidiert werden muss.“

Allerdings hält auch Schelvis daran fest, dass ab Herbst 1942 die Leichen der in Sobibor Getöteten ausgegraben und verbrannt wurden, ohne ein Wort über die schier unüberwindlichen technischen Schwierigkeiten zu verlieren, die mit der Kremierung von 170 000 Exhumierten verbunden wären. Gänzlich ins Abseits jedoch stellt sich Schelvis durch ein Interview, dass er am 19.Mai 2011der „Jüdischen Allgemeinen“ gewährte. Auf die Frage: „Sie selbst waren an einigen Verhandlungstagen anwesend. Wie ist es für Sie gewesen, Demjanjuk zu begegnen“, replizierte Schelvis:

„Anfangs wirkte Demjanjuk, der seinen Mund nicht aufkriegte… wie ein Gegenstand mit Kappe auf dem Kopf. Später nannte ich ihn dann einen Menschen, aber nicht im jüdischen Sinne.“

Ganz im jüdischen Sinne ist die Rolle der Nebenkläger im Demjanjuk-Prozess. Heinrich WEFING, Prozessbeobachter von DIE ZEIT, zum letzten Verhandlungstag: „Es ist fast wie bei einem Klassentreffen, man trifft lauter Menschen, die über die Monate,“ auf Steuerzahler-Kosten, bleibt zu vermuten, „Bekannte geworden sind, man begrüßt sich, tauscht Neuigkeiten aus, auf Deutsch, Englisch und Holländisch wird angeregt durcheinandergeplaudert… Einmal“, so Wefing weiter, „habe ich eine Gruppe von ihnen in ihrem Hotel besucht. Viele der Nebenkläger hatten sich im ´Hotel Europa´ … einquartiert …, Gelächter hing über dem Tisch, eine gelöste Heiterkeit, als sei dies eine ganz gewöhnliche Reisegruppe. Dieselben Männer und Frauen, die am Morgen unter Tränen ausgesagt hatten, standen nun beieinander, sie scherzten und schwatzten.“

Alexander NAGORNY, schwer vom Leben gezeichnet, Analphabet, wohl der letzte lebende Trawniki und einziger Zeuge, der sich zu Demjanjuks Tat und Schuld äußern konnte, befand sich nicht unter ihnen. „Mühsam schlurfte Nagorny zum Bett neben der Richterbank, auf dem Demjanjuk liegt… Ein paar Sekunden lang schaut Nagorny dem alten Mann im Bett ins Gesicht. Dann sagt er: ´Er hat keine Ähnlichkeit mit Iwan.´“

Dass, im Gegensatz zu Nagorny, die ausgelassene Klassentreffen-Reisegruppe erkennbar kein Sterbenswörtchen zu Person oder Tat des Angeklagten aussagen konnte, tat nichts zur Sache, denn, so SPIEGEL 20/11„…ihre Gesichter waren gezeichnet von einem Leben, das den Wunsch nach Gerechtigkeit nicht erfüllt hatte.“ Und: „Manche haben“, nach dem Verlust von Angehörigen, der 70 (in Worten: siebzig!) Jahre zurückliegt, „ jahrzehntelang keine deutschen Produkte mehr gekauft oder flogen nicht mit der Lufthansa. Sie ertrugen es nicht, Beethovens Neunte unter Furtwängler anzuhören oder eine Wagner-Oper. Nun aber: „Eine ältere Dame war“, Halleluja! „im Museum gewesen und hatte die Oper besucht. Eine andere will wiederkommen und vielleicht an Folgeprozessen teilnehmen.“ Wenn die Hundertjährigen dran sind. Und dafür musste Demjanjuk über die Klinge springen. Die Gerichts-Touristen jedoch haben “ihre innere Freiheit wiedergefunden. Nun können sie mit der Vergangenheit abschließen.“

Demjanjuk, ins gnadenlose Räderwerk amerikanischer, sowjetischer, israelischer und deutscher Interessen geraten und zermalmt, staaten- und heimatlos, für immer von Familie, Haus und Hof getrennt, kann keinen Frieden finden. Die Vergangenheit foltert ihn bis zum letzten Atemzug. Walther und Nestler wollen ihn wegen Anwesenheit im Lager Flossenbürg erneut vor den Kadi zerren. Assistiert von Gedenkstätten-Leiter Jörg SKRIEBELEIT, bezeichnend Fan der an Widerlichkeit unerreichten Tarantino- Perversion „Inglourious Basterds“. Triumvirat des Grauens. Trio infernale.

Ob John Demjanjuk, das einsamste unter uns Menschenkindern, um Vergebung für seine Häscher betet? Sie können es brauchen.

Dr. jur. Frank Kretzschmar


Quelle und Kommentare hier:
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