Warum Deutsche so leicht zu regieren sind

von Michael Klein

Vor einigen Jahrzehnten haben Gabriel Almond und Sidney Verba ihr Buch “The Civic Culture” veröffentlicht, in dem sie Deutschland als subject culture eingeordnet haben, d.h. es gibt in Deutschland ausgeprägte Institutionen, aber die Bürger nehmen keinen Anteil an ihnen, sie lassen die Institutionen gewähren, so als ginge es sie nichts an, denken z.B. nicht, dass die Ausgaben eines Ministeriums etwas mit ihnen zu tun haben.

Man kann einen derartigen Staat auch einen Obrigkeitsstaat nennen, der von einer entsprechenden Mentalität getragen ist, die sich quer durch das politische Spektrum findet. Egal, welche Probleme zu lösen sind, viele Deutsche suchen die Lösung immer bei einem “Über-Ich”, bei einem Pater Familias, dem WDR-Rundfunkrat oder der Petitionsseite des Bundestags. Kaum jemand kommt auf die Idee, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen, die eigene Bedeutungslosigkeit scheint davor zu sein.

Und genau dieser Glaube an die Obrigkeit, er definiert den Unterschied zwischen der subject culture und der participatory oder civic culture, in der die Bürger Institutionen als Dienstleister sehen, die zu tun haben, was die Bürger von ihnen verlangen und damit sie tun, was von ihnen verlangt, wird muss man sie kontrollieren.

Zum Beispiel muss man kontrollieren, was sie mit Steuergeldern machen.

So haben wir gestern darüber berichtet, dass die britische TaxPayers’ Alliance die Verwendung der 1,46 Milliarden Euro kontrolliert hat, die die EU in “Creative Europe” steckt, um nach außen hin Kultur zu fördern und tatsächlich Einfluss auf die Fernsehprogramme, die Europäern zugemutet werden, zu nehmen und sie zu manipulieren.

In einer civic culture, in der den Bürgern klar ist, dass die entsprechende Finanzierung aus Steuergeldern (also von ihnen) stammt, ist die normale Reaktion auf einen Bericht wie den der TaxPayers’ Alliance Verärgerung über die Verwendung der Steuergelder, gefolgt vom Ruf nach stärkerer Kontrolle und letztlich nach einer Beendigung der Finanzierung absurder Projekte mit den Geldern der Steuerzahler.

Nicht so in Deutschland.

In Deutschland suchen manche nach einer Rechtfertigung für die Zweckentfremdung von Steuergeldern, eine Rechtfertigung, die entweder auf einer Form von Egomanie basiert, die die eigenen Vorlieben so hoch setzt, dass die Tatsache, dass Steuermittel aufgebracht werden müssen, und zwar von allen, um diese Vorlieben zu finanzieren, so weit in den Hintergrund tritt, dass sie nicht mehr sichtbar ist – oder die Ausgaben werden als “Peanuts” angesehen und man wird bezichtigt, dadurch, dass man auf derart mickrige Summen, wie ein paar Milliönchen und ihre Veruntreuung hinweise, wolle man das große Ganze der EU in Misskredit bringen, denn natürlich ist das große Ganze der EU nicht so korrupt, wie das kleine Ganze, das man gerade als korrupt dargestellt hat.

Gegen derart psychologisch motivierte Realitätsverweigerung ist man so lange machtlos, so lange es nicht möglich ist, die Kosten für die eigenen Vorlieben denen aufzubürden, die die Vorlieben haben bzw. die wenigen Milliönchen, die zweckentfremdet wurden, von denen gegenfinanzieren zu lassen, die es nicht schlimm finden, dass ein paar Milliönchen zweckentfremdet wurden.

Mit anderen Worten: Das Problem besteht darin, dass Einzelne die Externalitäten ihrer Meinungen nicht zu tragen haben. Deshalb können sie durch die Welt randallieren und den Unsinn, den sie für eine Meinung halten, von sich geben, wobei sie nicht mit affektiven Zuweisungen und Beschimpfungen sparen und sich in das kumulieren, was sie schon immer einmal sagen wollten.

Egomanie und psychologische Schäden, sie gehen hier Hand in Hand, die Egomanie, die das “Ich” über alles setzt und der psychologische Schaden, der denkt, das “Ich” habe einen Anspruch von anderen wahrgenommen zu werden, sei ein Wert an sich und die Welt als ganzes ein großer Umverteilbahnhof, bei dem das Geld aus der Steckdose kommt, und niemand dafür arbeiten muss.

Nach unserer Auffassung handelt es sich bei diesen Personen um fragile Persönlichkeiten, und es sind diese fragilen Persönlichkeiten, die verhindern, dass Deutschland sich auf den Weg in eine civic society macht, fragile Persönlichkeiten, die Halt nur in der Zuordnung zu Autoritäten finden und Ordnung im Leben nur dadurch gewinnen, dass sie Vorgaben übernehmen und eigenes Denken durch affektive Vorlieben ersetzen.

Zum Vergleich eine Reaktion von der Insel aus der Daily Mail.


Quelle und Kommentare hier:
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