Wenn tausende Menschen spurlos verschwinden

von Egon W. Kreutzer

Deutschland als Location für einen Science-Fiction-Horror-Film? Warum nicht? Es wäre zumindest die sozial-verträglichste Erklärung für das Phänomen des spurlosen Verschwindens Zehntausender von Menschen, sobald deren Füße deutschen Boden berührt haben. Außerirdische beamen wahllos jeden Achten Zuwanderer in ihre hoch im Orbit stehenden Raumschiffe. Kommunikation mit denen da oben ist bisher nicht möglich.

Ob sie uns die Zuwanderer irgendwann zurückgeben ist also vollkommen offen. Jedenfalls haben wir für den Augenblick eine Sorge weniger, und wenn wir es schon nicht alleine schaffen: Die Hilfestellung fremder Raumfahrer lässt Hoffnung aufkeimen.

Weit weniger sozialverträglich wäre die Vorstellung, es trieben sich Banden ausländer- feindlicher Menschenhändler in Deutschland herum, immer darauf bedacht, wehrlose Flüchtlinge wie streunende Katzen einzufangen und als Sklaven irgendwohin zu verkaufen oder ihnen gar bei lebendigem Leibe Organe zu entnehmen. Das Gerücht von den entführten alleinreisenden Flüchtlingskindern spukte ja auch schon durch diverse Köpfe.

Kaum zu glauben ist allerdings die im Vorfeld der Landtagswahlen gestreute Vermutung, es handele sich bei allen 130.000 Vermissten nur um die Folge von Doppel- und Mehrfachregistrierungen, was dazu animiert, von den gezählten 1,1 Millionen Migranten des letzten Jahres einfach 130.000 als statistischen Fehler wieder abzuziehen, so dass es wohl doch gar nicht so viele waren, wie im Trubel der Willkommensfeiern von verunnüchterten Beamten und Angestellten des Bundes, der Länder und der Kommunen auf Strichlisten erfasst wurden.

Da sind wir bei einer Zahl von deutlich unter einer Million und erkennen doch damit schon, wie maßlos übertrieben die Zahlen waren, vor denen Deutschland beinahe in die Knie gegangen wäre.

Andere Erklärungsansätze, die Menschen seien halt einfach in andere Staaten weitergezogen, entbehren nicht einer gewissen Komik. Wohin, weitergezogen? Österreich kann ausgeschlossen werden, da kamen sie nämlich her und hätten gleich dort bleiben können.

Schweiz? Nee, die nehmen keinen. Frankreich? Die Franzosen haben ihre Obergrenze. Belgien und die Niederlande? Da gibt es ganz bestimmt keine Willkommenskultur. England? Noch nicht von den Schleusern als lohnendes Ziel annonciert. Dänemark? Da sind einige durchgewandert, hin und wieder waren die Grenzen zu, dann wieder auf, dann wieder zu.

Einige sind tatsächlich nach Schweden gelangt, die will Schweden jetzt aber mit aller Macht zurückschicken, schon damit Norwegen nicht einen Stacheldrahtzaun an der ganzen langen Grenze zu Schweden errichtet. Und, ja, nach Polen hat sich bestimmt auch keiner verirrt – und falls doch, wurde er gewiss sehr schnell wieder auf den rechten Weg gebracht, und für Tschechien und die Slowakei gilt das Gleiche.

Dieses Szenario vor Augen taucht noch ein Erklärungsversuch auf: Die Vermissten (130.000 neue Fälle für den BRK-Suchdienst?), könnten auch – so die WELT – in die Illegalität abgetaucht sein.

Hoppla!? Hieß es nicht immer: Kein Mensch ist illegal? Geht das jetzt plötzlich doch?

Natürlich geht das. Schwarzarbeiter sind ja auch illegal. Und da kommen wir gedanklich vorübergehend in den Bereich der Arbeitslosenstatistik. Ohne in diesem Zusammenhang in den unappetitlichen Details herumzuwühlen, darf doch gesagt werden, dass die öffentlich breitgetretenen, fettgedruckten Zahlen der Arbeitslosenstatistik stets durch eine fast eben so große Zahl von nicht erfassten Arbeitslosen und Unterbeschäftigten ergänzt werden müssen, weil die zuständige Behörde auf Weisung der Regierung Kriterien verwendet, die es verbieten, eine große Zahl arbeitsloser Menschen so einfach als Arbeitslose zu zählen, wie es der unbedarfte Bundesbürger anzunehmen bereit ist.

Die Bundesagentur für Arbeit wird von Herrn Weise geleitet. Ein sonderbarer Zufall, dass Herr Weise jetzt auch zum Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge avanciert ist? Sind die 130.000 Vermissten das erste Ergebnisse der bewährten Zählweise der Nürnberger?

Und was wurde denn überhaupt gezählt? Da fängt es ja schon an! Nur registrierte Asylbewerber. Klar. Nicht Registrierte können gar keine Asylbewerber sein. Wer sich nicht arbeitslos meldet, kann ja auch nicht als Arbeitsloser gezählt werden.

Wollen wir da tatsächlich näher hinsehen? Sonderbare Zahlen waren doch schon in der Welt. Schätzungen selbstverständlich nur, im Grunde eine einzige Dunkelziffer, doch von 300.000 bis 400.000 Personen war die Rede, die sich möglicherweise seit letztem Jahr in Deutschland aufhalten, ohne je an einer Registrierungssstelle vorbeigekommen zu sein.

Es ist natürlich reine Spekulation, doch wenn man eins und eins zusammenzählt, könnte es auch so sein, dass derzeit rund eine halbe Million Migranten in Deutschland leben, von denen wir nichts wissen, außer, dass viele Indizien darauf hinweisen, dass es sie gibt.

Es schließt sich bei mir die Frage an, wieviele der bisher noch nicht verschwundenen, registrierten Asylbewerber inzwischen ebenfalls in die Illegalität abgetaucht sind. Doch mit solchem Weiterdenken, das weiß ich, könnte ich von SPD- und Grünen-Politikern sehr schnell als Zielvorgabe beim Verfassungsschutz eingereicht werden, weil Weiterdenken, so es geeignet ist, Risiken zu erkennen, eben Ängste schürt.

Geschürte Ängste kommen aber, so lange die Regierung nicht in der Lage ist, die Risiken zu bannen, den Wahlkämpfern der Opposition zugute. Der Verdacht, verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen, ist also durchaus begründet, denn eine Opposition, deren Ziele sich von den Zielen der etablierten Parteien, die sich regelmäßig selbst „Regierungsfähigkeit“ attestieren, erkennbar unterscheidet, gefährdet zweifellos den Bestand der Bundesrepublik Deutschland.

Das hat man sich 1949 zwar wahrscheinlich nicht ganz so vorgestellt, doch inzwischen sind wir ja alle klüger geworden und konnten unsere Vorstellungen von Demokratie bis zum heutigen Höchststand weiterentwickeln.

Um aber jeder persönlichen Gefahr aus dem Weg zu gehen, bin ich nach reiflicher Überlegung zu der festen Überzeugung gelangt, dass das Phänomen des Verschwindens von Migranten nur durch das Wirken außerirdischer Mächte erklärt werden kann, auf deren Anwesenheit auch die Entdeckung einer vereinzelten Gravitationswelle schließen lässt, die ja nicht unbedingt vom Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher ausgegangen sein muss, wie zunächst angenommen wurde, sondern auch beim unvorsichtigen Betanken eines Raumschiffes aus den unendlichen Weiten des Alls – mit dem bewährten Antigravitations-Treibstoff für den faszinierenden Fairy-Tale-Antrieb – durch versehentliches Fallenlassen eines Tröpfchens dieses kostbaren Saftes ausgelöst hätte werden können.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende, voller Friede, Freude und Eierkuchen!


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