Wo geht`s hier zum „Flüchtlingschaos“?

von Beshad Miller

Besuche auf dem Münchner Hauptbahnhof. Unser Autor wird Zeuge guter Organisation und einer Atmosphäre der Hilfsbereitschaft, aber auch des Unbehagens. Münchner geben im Gespräch zu erkennen, wie sie wirklich über die aberwitzig vielen Migranten denken. Und sie fragen sich: Was wird aus Deutschland?

Migranten werden am Münchner Hauptbahnhof empfangen und versorgt (Bild: Beshad Miller)
Migranten werden am Münchner Hauptbahnhof empfangen und versorgt (Bild: Beshad Miller)

Ich erreiche den Münchner Hauptbahnhof gegen 19.30 Uhr, will mir ein Bild von einem Geschehen machen, das ich bisher auch nur aus den Medien kenne. Einer der zahlreichen Polizeibeamten erklärt mir auf Nachfrage, dass es heute wohl wieder um die 6000 Flüchtlinge sein werden, die in München eintreffen werden. 6000. An nur einem einzigen Tag. Man kennt die die Bilder aus dem Fernsehen: Massen an verzweifelten, erschöpften Menschen, weinender Kinder, verzweifelte Frauen. Ich erwarte das Schlimmste.

Chaos?

Man muss den Organisatoren ehrlichen Respekt dafür zollen, wie gut sie eine im Grunde außer Kontrolle geratene Situation verwalten. Die Ostseite des Bahnhofs hat sich in eine perfekt organisierte Aufnahmeeinrichtung verwandelt. Nach der Ankunft in eigens dafür eingesetzten Sonderzügen durchlaufen die Neuankömmlinge eine wohl organisierte Aufnahmeprozedur. Auf dem von der Polizei abgeriegelten Areal stehen in Reihe mehrere große Zelte, vor denen die Menschen in Gruppen Schlange stehen, einzeln oder in Familiengruppen eingelassen werden, weiter gehen, sich erneut sammeln. Ist die letzte Station durchlaufen, geht es – wiederum in Gruppen – Richtung eigens gecharterter Busse.

Zumindest äußerlich sind den Migranten die Strapazen einer langen Flucht nicht anzusehen. Die Stimmung scheint bestens, die meisten Menschen erreichen München wirklich gut und sauber gekleidet, die Frisur bzw. der Schleier sitzt. Junge Männer scherzen oder sind lässig in ihre Smartphones vertieft, Kinder tollen lachend umher.

Wie erleben die Münchner das nie da Gewesene?

Viele Passanten verlangsamen lediglich für einige Momente ihre Schritte. Man schaut – meist ratlos – und geht weiter. Andere bleiben stehen und sehen dem in grelles Scheinwerferlicht getauchten Geschehen eine Weile zu. Die unablässig von Politikern und Medienvertretern beschriebene „überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft“ scheint zumindest heute Abend eine Pause einzulegen. Abgesehen von einigen Helfern, wie z.B. einer jungen Frau, die euphorisiert mit einem Flüchtlingskind auf dem Arm vor den Kameras posiert, sehe ich alles andere als Freude in den Gesichtern.

Migranten besteigen die Busse, die sie zu den Aufnahmeeinrichtungen bringen (Bild: Beshad Miller)
Migranten besteigen die Busse, die sie zu den Aufnahmeeinrichtungen bringen (Bild: Beshad Miller)

Ich komme mit zwei jungen Männern ins Gespräch, die eigenen Angaben nach derzeit wohnungslos in München leben.

„Du kriegst hier einfach nix“ sagt der eine. „Aber jetzt, jetzt werden sie`s Bauen anfangen, wirst sehn. Für die Flüchtlinge. Für uns, für uns nicht.“

„Das geht nicht gut aus.“ murmelt der andere mit Unbehagen, während nur einige Meter entfernt die jungen männlichen Migranten erwartungsvoll in die Busse steigen. „Richtung Messehallen Riem“ raunt uns ein Busfahrer zu, der das Gespräch belauscht hat. Mehr möchte er zu dem Spektakel nicht sagen, er sei „im öffentlichen Dienst“. Besser, man schweige zu all dem.

Plötzlich Tumult. Drei Migranten rennen im Zickzack durch die Absperrungen und versuchen, den Einsatzkräften zu entkommen. Sie werden ergriffen, doch nur zwei müssen zurück hinter die Absperrung. Der Dritte protestiert lautstark in gebrochenem Deutsch. Er sei bereits 2 Jahre hier. Er hatte versucht, zwei Männern dabei zu helfen, sich dem Transport in die Riemer Aufnahmeeinrichtung zu entziehen, in die Illegalität abzutauchen. Ein Polizist belehrt ihn:

„Das war eine Straftat! Versuchte Schleusung!“

Konsequenzen hat der Vorfall keine. Der vollbärtige junge Mann geht unbehelligt seiner Wege.

Ich treffe auf eine Gruppe älterer Herrschaften, die sich angeregt unterhält.

„Wir waren ja selbst Flüchtlinge, nach dem Krieg“

meint eine gepflegte Dame. Man wisse, wie sich das anfühle.

„Deutschland erlebt gerade einen unglaublichen Imagegewinn“, sagt ihr Begleiter. „Sie werden sehen, aus Dankbarkeit werden wir nach dem Krieg in Syrien alles wieder aufbauen dürfen.“

Eine Frau Mitte Vierzig dreht sich unvermittelt um:

„Die Amerikaner und Araber zerstören den syrischen Staat und schicken uns die Flüchtlinge. Glauben Sie im Ernst, dass wir davon irgendetwas haben werden? Wir bekommen nur die Probleme.“

Nun wird deutlich, dass die älteren Herrschaften im Grunde ebenfalls tief besorgt auf die Entwicklung blicken und ganz froh sind, einmal frei sprechen zu dürfen.

“Hier sagt man den Eltern, Dein Kind hat mit einem Realschulabschluß das Ticket für ein Leben in Armut bereits in der Tasche. Und diese Leute sollen uns nutzen? Die meisten können doch nichts. Aber viele Kinder, das haben sie.”

„Niemand sagt was, keiner traut sich!“ sagt eine Dame, darauf ein Herr: „Ein Maulkorb.“ „Sind wir schon wieder so weit, dass jeder einen Maulkorb hat.“ meint ein anderer bedrückt.

Man verabschiedet sich.

Migranten im Bus (Bild: Beshad Miller)
Migranten im Bus (Bild: Beshad Miller)

Die Dame Mitte vierzig bleibt. Sie erzählt, sie lebe in einem Münchner Brennpunkt, dem Bahnhofsviertel.

„Ich wohne dort seit 20 Jahren. Es verändert sich. Sehr, sehr schnell.“

Ihre Tochter ließe sie nicht mehr allein zum Einkaufen. Zu gefährlich. Auch in ihrem persönlichen Umfeld habe sich einiges verändert.

„Ich habe viele Moslems in meinem Bekanntenkreis, die hier schon lange leben. Die sagen: wir mögen die Deutschen nicht. Aber Dich, Dich schon, Du bist anders.“

Besonders schockiert sei sie seinerzeit von den Reaktionen auf das Pariser Attentat auf Charlie Hebdo gewesen.

„Das sind alles Ärzte, Akademiker, gut ausgebildete Leute. 90% von ihnen fanden das absolut richtig! Die hätten das verdient. Weil ihr Prophet Mohammed seine Spötter ebenfalls umgebracht hat.“

Was wird aus Deutschland?

Wir sprechen schließlich über die Veränderungen, die der aktuelle Zustrom von Menschen aus islamischen Ländern für Deutschland mit sich bringen wird.

„Am meisten wundern mich die Homosexuellen und die Frauen. Die finden das auch noch toll! Dabei werden sie als erstes ihre Freiheit verlieren.“ sagt die Dame, offensichtlich bestens informiert.

Eine derart massive Einwanderung von wenig bis gar nicht gebildeten, meist männlichen Muslimen würde unser Land nicht verkraften. Der Islam habe noch jedes Land erobert, in dem er sich einmal festgesetzt habe. Eine Gruppe arabischstämmiger Jugendliche mit Vollbärten und Kopftüchern dreht sich lächelnd zu uns um, als meine Gesprächspartnerin resümiert:

„Den Islam wird man nur mit Krieg wieder los. Aber dazu muss man erstmal kämpfen wollen.“

Migranten sehen Schlange (Bild: Beshad Miller)
Migranten sehen Schlange (Bild: Beshad Miller)

Zum Abschied greift sie in ihre Tasche und hält mir Michel Houellebecq`s Buch „Karte und Gebiet“ vor die Nase.

„Lesen Sie das! Und „Unterwerfung“! Da steht alles drin.“

Sie lacht und geht ihrer Wege. Während unseres Gesprächs ging der wohl organisierte Betrieb in der Aufnahmeeinrichtung unbeirrt weiter. 6000 heute. Allein in München. Kaum weniger werden es morgen und übermorgen sein. Frau Merkel sagt, es gäbe keine Obergrenze.

Wie sagte dagegen der junge Mann? „Das geht nicht gut aus.“

Upddate Sonntag, 13. September 2015:

Wer glaubte, 6000 Migranten pro Tag und Bahnhof seien ein kaum noch steigerungsfähiger Superlativ, wird nur 2 Tage später eines Besseren belehrt. Unter dem tapferen Willkommensapplaus einiger weniger Münchner Bürger erreichen 12.000 Migranten diesen Sonntag München. Das Ende der Aufnahmefähigkeit scheint mittlerweile überschritten. Bereits am gestrigen Samstag mussten mehrere tausend Heimatsuchende zu Fuß durch die Münchner Innenstadt in Richtung mittlerweile völlig überfüllter Erstaufnahmeeinrichtungen marschieren.

Bei der Unterbringung werden bereits alle Register gezogen. So ist das ehemalige Mahag Gelände an der Karlstrasse in eine Erstaufnahmeeinrichtung für “Males only” umfunktioniert worden. Ich will mir die Unterkünfte ansehen und mit den Angekommenen sprechen. Mehrere afrikanischstämmige Aufpasser verwehren mir selbstbewusst den Zutritt. Ich darf mit niemandem reden, könne mich jedoch nützlich machen und Männerunterhosen sowie Deo spenden, die seien seit gestern aus. (BM)


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