ZDF-Umfrage bestätigt die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen als Staatssender

von DOK

Wenn Barbara Hahlweg sich im ZDF über eine hauseigene Umfrage freut, die „den seriösen Qualitätsmedien“ eine höhere Glaubwürdigkeit attestiert als „den Boulevardmedien und Social Media“, dann können sich jene, die vor der Glotze nicht das Hirn abschalten, ein Lachen kaum verkneifen, denn alles andere wäre natürlich vollkommen absurd.

Dabei ist schon das Einordnen von „Social Media“ als eine Medienkategorie in dieser Vergleichsgruppe völliger Nonsense, denn anders als „Qualitätsmedien“ oder „Boulevard“ ist „Social Media“ keine qualitativ, organisatorisch oder eigentumsrechtlich abgegrenzte Kategorie von Medienerzeugnissen, was schon an der simplen Tatsache erkenntlich ist, dass auch die „seriösen Qualitäts-„ oder „Boulevardmedien“ auf Twitter und Facebook (massiv) vertreten sind. Interessant an der Umfrage ist aber ein ganz anderer Punkt, auf den Hahlweg natürlich nicht zu sprechen kommt.

ZDF 13.Juli 2017 heute 19.00 Uhr

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Barbara Hahlweg: „Wie glaubwürdig sind die Medien in Deutschland? Das fragte die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF. Ergebnis: Die Befragten vertrauen den seriösen Qualitäsmedien deutlich mehr als den Boulevardmedien und Social Media. Während Facebook, Twitter und Co. im Vergleich zur Umfrage im November weiter an Glaubwürdigkeit verlieren, gewinnen die Nachrichten von ARD und ZDF. Deutlich hinter den Öffentlich-Rechtlichen die Nachrichten von RTL und SAT1.“

Schon auf den ersten Blick ist der Vergleich der Nachrichtensendungen von ARD und ZDF mit „Social Media“ Augenwischerei und regelrechter Unfug, mit dem die Zuschauer einmal mehr für dumm verkauft werden sollen. Nicht allein deshalb, weil ARD und ZDF selbst auf „Social Media“ vertreten sind, sondern auch weil es selbstverständlich darauf ankommt, welche Quellen man auf „Social Media“ nutzt, um sich zu informieren. Wer auf twitter oder facebook den großen internationalen Medien, ausgewählten unabhängigen Angeboten wie beispielsweise Telepolis und vor allem „Feindsendern“ wie RT, Telesur oder anderen folgt, ist in jedem Fall besser und umfangreicher informiert, als Propagandaopfer, die nur Nachrichten in ARD und ZDF schauen.

Die komplette Umfrage zu finden, ist alles andere als einfach. Man muss schon eine Suchmaschine bedienen und sich durch das ZDF klicken, bis man fündig wird. Nur wer schon von vornherein ahnt oder weiß, dass er in ARD und ZDF systematisch für dumm verkauft wird, wird sich diese Mühe machen und kann sich dann einen Überblick verschaffen, was die sogenannten Nachrichten des ZDF – neben der bereits dargestellten absurden Vergleiche – sonst noch unterschlagen haben.

Die meisten Zahlen sind wenig aufschlussreich. Schwankungen liegen hauptsächlich in der aktuellen politisch-medialen Lage begründet. Deutliche Tendenzen zeigen sich in den Altersgruppen, bei denen die Konsumenten jüngeren und mittleren Alters den Öffentlich-Rechtlichen kritischer gegenüberstehen, als die weniger internetaffinen Senioren 60+, die ein Leben lang mit ARD und ZDF auf Linie getrimmt wurden und sich wohl vergleichsweise seltener im Internet informieren.

Bemerkenswert sind die Zahlen zur Parteipräferenz, denn sie zeigen, dass die Anhänger der Systemparteien CDU/CSU/SPD und GRÜNE die beiden Staatssender, in denen ihre Parteigänger die Aufsichtsgremien und Redaktionen beherrschen, deutlich glaubwürdiger ansehen, als Anhänger der LINKEN und vor allem – mit einer extremen Abweichung – die Anhänger der AFD.

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Die Zahlen belegen den Status von ARD und ZDF als regierungsnahe Staatssender, denn ihre Glaubwürdigkeit müsste – wenn sie wie im Rundfunkstaatsvertrag gefordert unparteilich wären – über alle Parteigrenzen hinweg einigermaßen ausgeglichen sein.

Dass die Anhänger der LINKEN die Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen im Ganzen um eine volle Punktzahl und die Glaubwürdigekeit von deren Nachrichtensendungen im Speziellen um mehr als eine volle Punktzahl geringer einschätzen, als SPD-Anhänger, sowie die Tatsache, dass AFD-Anhänger die Glaubwürdiggkeit noch einmal um mehr als eine Punktzahl geringer einschätzen als die LINKEN, beweist, dass von überparteilicher Berichterstattung und Seriösität keine Rede sein kann. ARD und ZDF machen Propaganda zugunsten jener Parteien, die ihre Gremien und Redaktionen unter Kontrolle haben und sind somit das, was sie laut Bundesverfassungsgericht nicht sein dürfen: Staatssender.


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